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Die Fakten
Gehirnforscher und Militärs auf der ganzen Welt suchen zur Zeit nach einem Code:
dem Code des menschlichen Denkens. Sie glauben, dass jede unserer Entscheidungen vorherbestimmt ist, festgeschrieben in unserem Gehirn. Eines Tages werden sie diesen Code geknackt haben – so wie sie den genetischen Code knacken werden. Sie werden unser Denken, unser Fühlen und Handeln manipulieren können.
Was ist, wenn dieser Tag bereits gekommen ist? Was ist, wenn wir gar nicht frei sind?
Wenn der „Freie Wille“ des Menschen nur eine Illusion ist?
Die Geschichte von Alpha 0.7 beruht auf Grundlagen und Versuchen aus der Gehirnforschung: Bereits 1959 führt der Verhaltenspsychologe Erich von Holst
am Max-Planck-Institut in Seewiesen bei München ein ungewöhnliches Experiment durch.
Er setzt einem Hahn am Gehirn einen Elektrodenhalter ein. Mittels elektrischer Impulse reizt der Wissenschaftler das Stammhirn des Hahns und ruft damit das Bild eines Todfeindes ab: Der Hahn beginnt zu schreien, mit den Flügeln zu schlagen und wild umherzulaufen. Er läuft Amok. Doch der Raum ist leer. Der Hahn stürzt sich auf einen Feind, den es gar nicht gibt. Allein mithilfe elektrischer Impulse hat Erich von Holst den Hahn gesteuert.
34 Jahre später sind solche direkten Eingriffe am Gehirn gar nicht mehr nötig: 1993 stimuliert der spanische Neurologe Alvaro Pascual-Leone von der Harvard Medical School allein mithilfe magnetischer Felder verschiedene Gehirnhälften seiner Probanden. Diesmal ist es kein Hahn. Diesmal sind es Menschen. Pascual-Leone gelingt es, die Versuchspersonen durch die unsichtbare Bestrahlung dazu zu bringen, ihre linke oder rechte Hand zu bewegen. Er macht sie zu seinen Marionetten. Dabei waren die Testpersonen felsenfest davon überzeugt, nach freiem Willen gehandelt zu haben.
Um unser Gehirn zu manipulieren, reichen Energiemengen im Bereich herkömmlicher Kommunikationsnetzwerke wie z. B. von Mobiltelefonen – eine Technik, die bereits erfolgreich in so genannten „Hirnschrittmachern“ angewandt wird. Mit diesen Geräten können Wissenschaftler zum Beispiel bei Parkinson-Patienten das Zittern abstellen. Auf Knopfdruck. Mit einer Fernsteuerung.
Doch die Hirnforscher sind bereits dabei ganz andere Erkrankungen zu heilen. Denn seit jeher war die Erforschung unserer Gehirne auch eine Suche nach dem Algorithmus des Bösen, nach der Ursache von Gewalttaten.
2008 untersuchen Wissenschaftler der psychiatrischen Universitätsklinik Rostock die Gehirne von Straftätern. Unter hohem Sicherheitsaufwand werden die zu langjährigen Freiheitsstrafen wegen Mordes, Totschlags oder Raubes Verurteilten aus den Gefängnissen Mecklenburg-Vorpommerns in die Labore der Neurologen gebracht. Es sind Psychopathen, ohne Gefühlsleben – „krankhaft“ angstfrei. Allein die Bildaufnahmen der Kernspintomographen zeigen den Forschern, dass ihre Versuchspersonen nicht zu einem normalen Gefühlsleben in der Lage sind. Sie finden heraus, dass jene Gehirnareale, in denen die Empathie verortet ist, bei den Probanden schlechter durchblutet sind.
Sind die Täter also in Wirklichkeit Opfer – Opfer ihres Gehirns?
Wenn das wahr wäre: Gäbe es dann noch Schuld – oder Unschuld? Ist dann die Grundlage unseres Rechtssystems – das Schuldprinzip – noch zu halten? Oder wagen wir uns nicht zu weit vor, wenn wir vom Gehirn eines Menschen auf sein gesamtes Wesen und zukünftiges Handeln schließen? Dass sind Fragen, die Neurologen und Ethiker auf der ganzen Welt diskutieren – unter anderem auch im Deutschen Ethikrat. Denn die Gefahr, dass die Erkenntnisse der Gehirnforscher missbraucht werden ist groß. Theoretisch können Gehirnforscher den Menschen auch manipulieren. Im September 2008 findet das Time-Magazin heraus, dass auch das amerikanische Militär bereits begonnen hat, die Möglichkeiten der Neurowissenschaft für seine Zwecke zu erforschen. Aus diesem Grund hat der kanadische Neurologe Michael Persinger 2008 dazu aufgerufen, das Risiko einer missbräuchlichen Anwendung der Gehirnforschung öffentlich zu diskutieren.
