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Neurowissenschaftliches Pre-Crime-Center

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Das NPC

In Stuttgart, unweit des Konzernsitzes von Protecta Society, leitet Harald Rösler das erste Neurowissenschaftliche Pre-Crime-Center (NPC) des BKA. Es ist ein nach dem neuesten Stand der Technik ausgestattetes und nach außen gut gesichertes Laborgebäude und verfolgt zwei Ziele:

Die Suche nach den Ursachen von Gewalttaten, die Suche nach dem Hort des Bösen im Gehirn der Verbrecher. Was unterscheidet das Gehirn eines Psychopathen von einem normalen Gehirn? Zudem wird die Ruhigstellung von Gewalttätern sowie die Identifikation und Kontrolle potentieller Gewalttäter verfolgt.

Mit den Forschungsergebnissen sollen Psychopathen befriedet und mögliche Gewalttäter anhand Brainscans, einer Art Röntgenaufnahme des Gehirns, erkannt und kontrolliert werden. Dieses präventive Vorgehen anhand von Aufnahmen des Gehirns ist ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik – ein Pilotprojekt, das einen neuen Meilenstein der Überwachung markiert.

Um die Ziele zu verwirklichen, hat sich Harald Rösler ein Team aus jungen, ehrgeizigen und gut ausgebildeten Neurologen zusammengestellt. An Gewalttätern aus einer forensischen Klinik, die freiwillig an diesem Projekt teilnehmen, suchen die Wissenschaftler nicht nur nach dem Ursprung des Bösen und einer Lösung, wie man das Gewaltpotenzial in ihnen nachhaltig befrieden kann.

Die Hirnschrittmacher

Mithilfe „Tiefer Hirnstimulation“, einer Art Hirnschrittmacher, stellt Rösler die Gehirne seiner Probanden neu ein. Er implantiert ihnen Elektroden, die mit einem Sender (einem kleinen implantierten Mikro-Chip bzw. „Neuroimplantat“) verbunden sind. Dieses System stimuliert mit minimalen, elektrischen Impulsen die fehlgesteuerten Hirnregionen.

Der Ort des Bösen

Das sind ähnliche Versuche, wie sie die realen Kollegen in Rostock bereits seit Mitte der Nullerjahre betreiben. Tatsächlich gelingt es mit modernen bildgebenden Verfahren das „Böse“ zu lokalisieren: Im Bereich des Stirnhirns machen die Wissenschaftler den Bereich aus, der normale Menschen davon abhält, eine extreme Gewalttat zu begehen: Das Mitgefühl. Alle inhaftierten Straftäter weisen Anomalien in diesen Gehirnbereichen auf sowie eine mangelhafte Durchblutung. Sie sind Opfer ihrer fehlerhaften, neuronalen Struktur, Opfer ihres Hirns.

Dank dieser Erfolge geht Röslers Team einen Schritt weiter: Sie entlassen die Probanden in ein hochüberwachtes, häusliches Umfeld. Neben der Kontrolle durch Kameras und Hirnschrittmacher werden die Gehirne der befriedeten Straftäter regelmäßig durch Scanvorrichtungen in Türrahmen kontrolliert. Die Werte werden in einem kontinuierlichen Datenfluss an Röslers Labor weitergeleitet. Röslers Experiment funktioniert! Ihre Probanden haben eine Rückfallquote von null Prozent. Des Menschen Wolf scheint gezähmt – sie können die Gewalttäter tatsächlich kontrollieren. Und die ehemaligen Gewaltverbrecher sind Rösler sogar dankbar: Das Experiment sichert ihnen ein Leben in Freiheit, ohne die Angst rückfällig zu werden. 

Aufgrund dieser Erfolge scheint im Jahr 2017 das Erreichen der Ziele des NPC-Projekts nahe. Röslers, Spreemanns und Gonzoldts Vision von einer gewaltfreien Gesellschaft und einem Leben in Sicherheit kann Wirklichkeit werden! Und das europaweit: Denn auf dem nächsten Gipfel der EU-Regierungschefs soll die Überwachung der Bevölkerung gesetzlich festgelegt werden. Ab 2018 sollen in regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen und öffentlichen Kontrollen die Gehirne der Menschen mithilfe von Brainscannern auf Anomalien hin kontrolliert werden. Das Konstrukt des Freien Willens und mit ihm unser altes, europäisches Rechtssystem wäre endgültig ad acta gelegt. Straftäter sollen nicht mehr einfach in ein Gefängnis kommen und für ihre Taten büßen – das Böse in ihnen soll ruhiggestellt werden. Ganz Europa kann, soll friedlich werden. Doch plötzlich kommt Widerstand auf.

Denn obwohl die seit dem 11. September 2001 kontinuierlich ausgebauten Überwachungsmaßnahmen bei der Mehrheit der Bevölkerung für ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit sorgen – es gibt immer noch kritische Geister, Bürger die nicht glauben wollen, dass der Mensch des Menschen Wolf ist. Für Spreemann, Rösler und Gonzoldt sind diese Leute naive Spinner – verblendete Idealisten. Trotzdem wissen Spreemann, Gonzoldt und Rösler, dass sie sensibel mit der kritischen Öffentlichkeit umgehen müssen. Dass sie immer noch PR machen müssen und den Menschen  die Überwachung ihrer Gehirne nur in mundgerechten Happen servieren können. Um ihr Projekt nicht zu gefährden, müssen sie vorsichtig vorgehen. Aus diesem Grund ist der Punkt „Brainscans“ auf dem EU-Gipfel nur ein unauffälliger Tagungspunkt, der en passant, ganz beiläufig abgenickt werden soll. Ohne öffentliche Diskussion. Ohne Erörterung der Frage, wie mit potentiellen Tätern umgegangen werden soll.