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Tom

Tom Berger, Johannas Ehemann
Um der Enge seiner schwäbischen Heimat zu entfliehen, ging Tom zum Studium nach Berlin. Wie so viele andere Schwaben seiner Generation wollte auch er sich in der fernen Metropole neu erfinden. Und das klappte ganz gut. Bereits im ersten Semester lernte er Johanna kennen – und verliebte sich in sie. Eine Zeit, wie im Rausch. Sie feierten ganze Nächte durch, lernten neue Freunde kennen, die Enge und Spießigkeit seiner Jugend schienen weit weg. Und als Johanna schwanger wurde, da scheute er nicht den Konflikt mit seiner entsetzten Mutter Inge. Mit der selbstständigen Johanna konnte sie nichts anfangen – außerdem sollte ihr Sohn doch erst einmal zu Ende studieren. Das hatte sich sein Vater Hubert schließlich so gewünscht – bevor er kurz vor seiner Rente an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb, dem einzigen ungeplanten Ereignis in seinem Leben. Und eigentlich war in Toms Familie das Wort des Vaters immer Gesetz gewesen. Hubert Berger, ein Beamter aus dem gehobenen Dienst in der Stuttgarter Finanzverwaltung, war kein außergewöhnlich strenger Mann gewesen. Doch er strahlte eine natürliche Autorität aus. Er schien immer genau zu wissen, wie man zu leben hatte (genau wie er) – und er ignorierte Zeit seines Lebens hartnäckig, dass es vielleicht auch anders ging. Doch diesmal setzte Tom sich durch. Er stand für seine Familie ein, noch bevor seine Tochter geboren war.
Dann war das Studium zu Ende und Tom hatte große Ziele. Er wollte in Berlin eine Kanzlei eröffnen – zusammen mit zwei Studienkollegen. Sie wollten für Recht und Freiheit eintreten – und die sozial Schwachen. Berlin hielt er dafür für das ideale Pflaster. Tom wollte kein trockener Firmenjurist werden – in irgendeiner Wirtschaftskanzlei. Er wollte etwas bewegen. Doch leider ist Berlin nicht das ideale Pflaster für einen jungen Anwalt. In der Stadt gibt es viele Träumer, aber zu wenig Geld. Langsam wuchsen die Zweifel in Tom. Mit der Zeit wurde er immer nervöser: Mehr und mehr Kommilitonen vermeldeten auf ihren Social Network-Seiten neue Jobs. Mit Verantwortung und gutem Gehalt und er steckte irgendwie fest. Frustrierend fand Tom das damals – und ungerecht. Vielleicht war der Prenzlauer Berg nur ein Spielplatz für seine Träume gewesen. Vielleicht war es jetzt an der Zeit der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Tom suchte Arbeit. Er fand eine befristete Anstellung in einer Kanzlei für Insolvenzrecht. In Stuttgart. Und so kehrte Tom zurück – in jene Welt, vor der er eigentlich geflohen war.
„Ist ja nur für den Übergang“, sagte er zu Johanna und sich selbst und pendelte regelmäßig hin und her. Zwischen zwei Welten: Stuttgart und Berlin. Tom hielt weiter am Prenzlauer Berg fest. Doch irgendwann kam der Tag, an dem er von seiner Kanzlei einen unbefristeten Vertrag angeboten bekam.
Und erst als Johanna einen Job in Stuttgart findet, kann die Familie endlich wieder zusammen sein. Nicht mehr in Berlin, sondern alle vereint in Stuttgart. Auch, wenn die Begeisterung von Meike sich sehr in Grenzen hält.
