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Das Ende der gefühlten Freiheit:
Der Bürger 2K17

Unser Land ist 2017 immer noch ein freies. Doch die Freiheit befindet sich in einer ihrer größten Krisen seit der Gründung unserer Republik. Denn die gewachsenen Kontrollen, die immer wieder neuen Medienberichte über drohende Gefahren, haben das Klima in unserer Gesellschaft schleichend verändert – und mit ihm die einzelnen Bürger. Die Menschen sind vorsichtiger geworden, angespannter und misstrauischer. Sie überlegen zweimal, ob sie einen kritischen Kommentar unter einen Artikel im Internet setzen. Sie halten sich zurück, wenn sie am Telefon von ihren Freunden auf empfindliche Themen angesprochen werden. Sie beginnen bestimmte Begriffe zu vermeiden, die von der kontinuierlich im Hintergrund laufenden Überwachungssoftware als „gefährlich“ eingestuft werden. Und auch auf den Straßen und öffentlichen Plätzen hat sich das Leben verändert. Schließlich hängen nahezu überall dort, wo Menschen regelmäßig zusammenkommen Überwachungskameras...


Kurz gesagt: Niemand will mehr unnötig auffallen, die Oberflächlichkeit und Gleichförmigkeit nimmt zu. Alle sind freundlich – und unverbindlich. Besonders gegenüber der mit kleinen Helmkameras ausgerüsteten Bundespolizei, die immer häufiger an wichtigen Verkehrsknotenpunkten Kontrollen durchführt –  und anno 2017 dank der gesetzlich vorgeschriebenen GPS-Systems eines Autos stets genau weiß, wo ein Fahrer gewesen ist und wo er hinfährt. 


Und auf den ersten Blick hat die ausgebaute Gefahrenabwehr die Gesellschaft im Jahr 2017 tatsächlich friedlicher gemacht. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass die dauernden Kontrollen und die beständige Angst anzuecken in den Menschen langsam zu brodeln beginnen. Zum Einen, weil sich jemand, dem permanent unterstellt wird, etwas im Schilde zu führen, irgendwann tatsächlich so zu fühlen beginnt. Zum Anderen weil es den Menschen an Freiräumen und an Orten fehlt, an denen sie ganz sie selbst sein können ohne sich gleich verdächtig zu machen.  


In anderen Worten: Unsere fiktionale Zukunftsgesellschaft beginnt sich langsam aber spürbar zu erhitzen. Wie in einem Dampfkochtopf. Überall dort, wo keine Kameras installiert sind – in der sogenannten letzten Meile, dem häuslichen Umfeld der Bürger, hat die Gewalt zugenommen. Die Menschen beginnen sich Ventile für ihre unterschwellig wachsenden Aggressionen zu suchen. Die Ellenbogen sind spitzer geworden, immer öfter denunzieren sich die Menschen gegenseitig, bezichtigen Nachbarn, Kollegen und auch Freunde Gefährder der Inneren Sicherheit zu sein. Das Urvertrauen der Bürger ist verloren gegangen – weil ihnen auch niemand vertraut. Die Paranoia wächst. Die „Schöne Neue Welt“ beginnt die Menschen krank zu machen.  Dabei hat die Kontrollgesellschaft ihren Höhepunkt noch längst nicht erreicht...